45 Millionen Auferstehungen

Räumen wir also nach diesen seltsam anmutenden Ostertagen – so ganz ohne Stau und Schwiegermutter – die letzte Osterdekoration weg.
Die possierlichen Porzellanküken, handbemaltes Federvieh und goldbesetzte Gips-Eier finden den Weg in ein Jahr Dunkelhaft im Kellerschank.

Und 45 Millionen geschreddert Küken später feiern wir wieder Auferstehung. Versprochen.
In diesem Sinn!

Triade

Die Triade. 

Hierbei handelt es nicht, wie so oft fälschlicherweise angenommen, um die abgespeckte Version des Triathlon oder gar um die weibliche Bauform der Triangel.

Die Triade ist die kleinste Form der Gruppe, also mit einer Gruppengröße von 3, in Worten: drei.

Kennzeichnend für eine Triade ist, dass sich deren Mitglieder über einen nicht näher definierten Zeitraum in mehr oder weniger engem Kontakt zueinander befinden. Die Gruppenmitglieder der Triade verfolgen dabei entweder gemeinsame Ziele, teilen Wertvorstellungen oder es entwickelt sich innerhalb der Gruppe eine klare Rollenverteilung.

Im Gegensatz zur Dyade, im Volksmund auch „Ehe“ genannt, wo Ziele, Wertvorstellung und Rollenverteilung klar dem feministischen Teil zugeordnet werden können.

Morbus Helveticus

1688 beschrieb der Elsässer Arzt Johannes Hofer eine Krankheit, die man fortan die „Schweizer Krankheit“ benannte.

Der Arzt nannte das Leiden «Nostalgia» oder «Heimwehe».

Für Johannes Hofer wurzelte die Morbus Helveticus im übermässigen Denken an die Heimat, ausgelöst durch einen Aufenthalt in fremder oder sich fremd entwickelnder Umgebung.

Ein Phänomen, das in viral geprägten Zeiten wieder an Aktualität gewinnt.

Hygienehype

Übertriebene Hygiene, eine nahezu sterile Umgebung, läßt das Immunsystem schwächeln, es ist quasi unterfordert und kann sich nicht ausreichend entwickeln.

Dreck und Schmutz finden sich in unserer hochentwickelten Gesellschaft bestenfalls noch auf dem Land. Im Haushalt wurde sämtlichen Erregern der Krieg erklärt, mit immer aggressiveren Mitteln werden alle Keime im Haus abgetötet.

Gerade in Corona-Zeiten ist zu viel Hygiene ungesund. Damit sich das Immunsystem entwickeln kann, muss es ständig stimuliert werden.

Empfehlenswert ist deshalb der regelmäßige Kontakt zu möglichen Infektionsquellen, zum Beispiel Karnevalssitzungen oder eine Städtetour in die Lombardei.

Obdachlos aber warm


Mit der raumgreifenden Marktwirtschaft ist es aus unterschiedlichen Gründen wieder salonfähig geworden, offene Feuerstellen zu betreiben. Viele versprechen sich Behaglichkeit oder vorweihnachtlichen Gefühlen und für manche ist das Feuern mit Holz auch eine bezahlbare Alternative für eine Beheizung der temporären, nicht festen Unterkunft. Vor allem in den Abendstunden im Frühjahr und Herbst, wenn die Warmluftschächte vor den Konsumtempeln nicht in Betrieb sind, leistet ein offenes Feuer doch mitunter ein erfreuliches Maß an Lebensqualität. 

In Deutschland gibt es nach Angaben des Bundesverband der Obdachlosen etwa 48.000 sogenannter temporäre Einzelfeuerstellen.

Um der steigenden Luftverschmutzung durch unsachgemäß betriebene Feuer durch Obdachlose entgegenzuwirken, hat die Bundesregierung Maßnahmen ergriffen und in der Überarbeitung der 1. Verordnung zum Bundes-Immissionsschutzgesetz festgeschrieben.

  1. Für eine Verbrennung zulässig ist nur naturbelassenes Holz (Scheitholz, Holzspäne, -pellets oder -briketts), welches genügend lange abgelagert ist. Genauere Informationen finden Sie in unserem Ratgeber „Obdachlos? Heizen mir Holz!“
  2. In einem festgelegten Stufenplan sind innerstädtische Übernachtungsplätze regelmäßig zu tauschen.
  3. Offene Feuer dürfen nur gelegentlich betrieben werden.
  4. Betreiber von offenen Feuern müssen sich an diese Vorgaben halten. Der Bezirksschornsteinfeger überprüft deren Einhaltung spontan und ohne Voranmeldung.

Das Feuern mit Holz verursacht, auch wenn es sachgerecht vorgenommen wird, deutlich größere luftverschmutzende Emissionen. Es ist daher nicht auszuschließen, dass es in einigen Einkaufsmeilen zu kurzzeitigen Belastungen mit Feinstaub oder polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen kommen kann – insbesondere dann, wenn in der konsumstarken Vorweihnachtszeit viele Wärmefeuer gleichzeitig betrieben werden müssen, um den Glanz der einkommensstarken Bevölkerungsgruppen durch die Gegenwart der finanziell Abgehängten künstlich aufzupolieren.

Die Karawane zieht weiter … dä Sultan hät Doosch!

In Idlib, der letzten syrischen Rebellenhochburg, versuchen Al-Kaida nahestehende Milizen den Vormarsch des Assad-Regimes zu stoppen.

Unter ihnen sind noch 60 Islamisten aus deutschen Landen, die sich dort im Glaubenskrieg verdingen.

Die Stimmung sei natürlich nicht so, wie zu siegreichen Zeiten. Aber die Menschen seien optimistisch, so die Aussage eines Kämpfers.

Trost spendet dabei heimisches Kulturgut.

Teure Freizeitgestaltung

Die Gestaltung der Freizeit hat mit den letzten Generationen eine erhebliche Veränderung erfahren.

Dienten die arbeitsfreien Tage vor Jahren noch überwiegend der Regeneration der Arbeitskraft, so hat die Freizeit heute durch Umfang, Möglichkeit und Ausstattung an Bedeutung gewonnen.

In der modernen Gesellschaft der 2020er ist die Freizeit einerseits eine völlig eigene Dimension des Lebensstils, aber auch ein Spiegel der sozialen Spaltung einer Gemeinschaft.

Der Unterschied in der Gestaltung der Freizeit bringt materielle Ungleichheiten brutalst zu Tage.

So bleibt nach wie vor den finanziell abgehängten Bevölkerungsschichten ein eher rudimentäres Angebot an Freizeiteinrichtungen, gelegentlich vielleicht ein kreditfinanzierter Kurzurlaub auf einer spanischen Insel.

Dem Vermögenden hingegen ist es möglich, auch nach der neuesten Preisanhebung, an Demonstrationen, Widerstand gegen Staatsbedienstete oder vielleicht auch nur an einer politischen Kundgebung teilzunehmen.

Die These, dass Unterschiede im Freizeitverhalten losgelöst von der sozialen Lage sind, kann somit nicht bestätigt werden.

Farewell Europa

Nun ist es also so weit.

Gestern, um Null Uhr, ist Europa aus dem Vereinigten Königreich ausgetreten.

Eine einjährige Übergangsphase soll die Wunden heilen und die gestörten Beziehungen sollen neu und auf Augenhöhe verhandelt werden.

Diese Trennung ist ein leuchtendes Zeichen für die europäische Demokratie. Die EU-Bürger haben entschieden, in Freiheit und Selbstbestimmung ihren eigenen Weg zu begehen.

Die Möglichkeit der Selbstbestimmung konnte immer schon Berge versetzen.

Einerseits hält die Trennung größte Chancen bereit. Der tiefe Fall der europäischen Währung läßt die Nachfrage nach Investitionsmöglichkeiten sprunghaft steigen. Auch sind Reisen nach und durch Europa deutlich günstiger geworden. Der ansteigende Tourismus bietet Chancen für all die Unternehmen, die unter dem harten Euro so gelitten haben.

Allerdings importiert Europa zur Zeit nicht nur den größten Teil ihrer Produkte für den täglichen Bedarf, sondern auch langlebige Konsumgüter aus dem Vereinigten Königreich.

Der für den Tourismus so vorteilhaft-schwache Euro sorgt bereits jetzt für deutlich steigende Preise für verschiedenste Produkte. Steigende Inflationsraten, einhergehend mit einer Schrumpfung der produzierenden Wirtschaft in Europa, könnten die Ökonomie in eine Spirale des Niedergangs führen. Eine politisch allseits gefürchtete Stagflation, also steigende Preise bei sinkende Wirtschaftsleistung, wäre die Folge.

Am Ende würde das wieder zu einer Verringerung der Steuereinnahmen führen, was zu steigender Staatsverschuldung und steigenden Zinsen mit entsprechenden Folgen auch für die Unternehmen haben wird.

Schon jetzt wurde Europa von den  Ratingagenturen abgestuft.

Politisch wird wohl eine weitere Bombe platzen: Das polnische Parlament hat gegen den Austritt aus dem Vereinigten Königreich gestimmt und leitet eine Erosion beim Zusammenhalt in Europa ein.

„Es ist wichtig zu betonen, dass dies nicht das Ende ist, sondern ein neuer Anfang“, sagte auf Nachfrage Ursula von der Leyen, die Präsidentin der Europäischen Kommission.

Reden statt Grunzen


Alle Sprachen unterliegen einem ständigen Wandel.

Anglizismen, der Verlust des Genitivs, Niedergang des vollständigen Nebensatzes …

Der Sprachwandel vollzog sich in zurückliegenden Zeiten recht langsam und beständig. Die Sprache wurde schon immer an die Bedürfnisse des Sprechenden angepaßt, man war an einer verständlichen Kommunikation interessiert.

Der aktuell offenbar galoppierende Wandel unserer Muttersprache muß nicht per se als „richtig“ oder „falsch“ betitelt werden – die Veränderung der Sprache hat am Ende dazu geführt, dass sich aus den Grunzlauten der Neandertaler eine blumenreiche Sprache entwickelte, die sich unter den Augen der erstaunten Beobachter wieder in ihre ursprüngliche Verfassung zurückbildet.