Magensonde statt Füttern

Ein runder Geburtstag möchte in diesen Tagen gefeiert werden.

Vor zehn Jahren haben fast 700 Ärzte und Ärztinnen des Helios-Konzerns in einem Brief den Erfolg von privat geführter Daseinsvorsorge ausgiebig gewürdigt.

Der „Kampf um die Einhaltung betriebswirtschaftlicher Vorgaben und Benchmark-Erfüllung“ sei an die Stelle von medizinisch motivierter Entscheidungen getreten. Ein Umgang, der gerne als „Abmahnungskultur“ beschrieben wird, verbunden mit einem zunehmend herrischen Ton gegenüber dem gesamten medizinischen Personal, zeugt von einer gelungenen Privatisierung und einem marktkonformen Auftreten.

Angebotstheoretiker befürworten diese Maßnahmen im öffentlichen Bereich, weil eine zunehmende Liberalisierung das Potential besitzt, für entscheidende Wachstumsimpulse zu sorgen.

Neben der Förderung von Wettbewerb und Wachstum sind der öffentlichen Hand gewiß die daraus resultierenden Verkaufs- und Steuereinnahmen willkommen.

Seit dem Erkennen des großen Potentials konnten in den letzten 25 Jahren in der Krankenpflege rund 50.000 Vollzeitstellen sozialisiert oder dem Arbeitsmarkt zur Verfügung gestellt werden. Dazu versorgt eine Pflegekraft heute etwa 25% mehr Fälle als noch vor gut 20 Jahren. Der Verzicht auf examiniertes Personal unterstreicht diese einzigartige Erfolgsgeschichte.

Die jeden Monat geleisteten Überstunden entsprechen dabei 15.000 Vollzeitstellen. Ein einzigartiges Verhältnis in Europa.

Weiter Kostensenkung werden durch ausbildungsfernes Personal erreicht. Zeitverträge und das Berufsbild des neu erschaffenen „Gesundheitsassistenten“, der um vieles günstiger im Schichtdienst arbeitet und sich aus „Langzeitarbeitslosen nach Kurzlehrgang“ rekrutiert, garantieren eine Rendite von gut und gerne 15%.

Diese herausragende Rendite begründet sich vor allem in den niedrigen Kosten.
Pro Patientenfall fallen hierzulande durchschnittlich 3.908 Euro an. Das Mittel aller Industrieländer liegt bei 6.942 Euro.
Deutschland nimmt verdient einen Spitzenplatz ein und das bei Gehältern, die im Pflegebereich im Vergleich mit anderen Ländern im unteren Drittel liegen.

Mit einem herzlichen „Magensonde statt Füttern“ wünschen wir einen sonnigen zehnten Jahrestag.

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